Ein unabhängiges Magazin über Spielkarten als Gegenstand von Kunst und Design. Es hat nichts mit Glücksspiel zu tun, bewirbt es nicht und steht in keiner Verbindung zur früheren Website unter dieser Domain.

Analysen

Analysen

Um ein Bild wirklich zu sehen, hilft es, es in seine Teile zu zerlegen. In dieser Rubrik schauen wir, aus welchen Elementen die Figur auf der Karte besteht, welche Aufgabe jedes erfüllt und woran man das Druckverfahren erkennt. Die Analysen beschreiben allgemeine Prinzipien, beziehen sich auf keine bestimmten Ausgaben und haben mit keinerlei Spielen zu tun.

Ein Kartenkönig muss in Sekundenbruchteilen erkennbar sein – und doch gelingt es dem Künstler, ihm Charakter zu verleihen.

— Aus der Redaktion

Figurenanalyse: wie das Bild des Königs aufgebaut ist

  1. Rahmen und Rand

    Das Bild ist in ein schmales Rechteck eingepasst, oft mit einem feinen Rahmen. Der Künstler legt vorab fest, wie viel Raum frei bleibt, damit die Figur nicht beengt wirkt.

    Sitzt der Rahmen schief zur Kartenkante, kann das auf ungenaues Passen beim Druck oder beim Schneiden hindeuten.

  2. Gespiegelte Komposition

    In vielen Kartenspielen ist die Figur halbiert und kopfstehend wiederholt. So lässt sie sich von jeder Seite betrachten, und der Zeichner muss die Trennlinie besonders sorgfältig planen.

  3. Krone und Gesicht

    Die Krone zeigt sofort den Rang, während Kopfhaltung, Bart und Gesichtsausdruck einen König vom anderen unterscheiden. Kleine Unterschiede in den Zügen helfen, ein bestimmtes Kartenbild zu erkennen.

  4. Gewand

    Mantel, Kragen und Stoffmuster vermitteln den Geist der Epoche, in der das Bild entstand. Die Falten sind meist auf wenige sichere, gut druckbare Linien reduziert.

  5. Attribut in der Hand

    Zepter, Schwert, Reichsapfel oder ein anderer Gegenstand verleihen der Figur Bedeutung und helfen, die Personen verschiedener Farben zu unterscheiden, ohne die kleinen Zeichen zu entziffern.

  6. Farbzeichen und Eckzeichen

    Neben die Figur setzt man das Farbsymbol, in die Ecken ein kurzes Kürzel, das sichtbar bleibt, wenn man die Karten fächerförmig hält. Diese Details verbinden das Bild mit dem übrigen Kartenspiel.

Drucktechniken für Spielkarten

TechnikErkennungsmerkmaleEpoche
HolzschnittKlarer, etwas grober Umriss; die Farbe ist oft von Hand oder mit der Schablone aufgetragen und reicht leicht über die Linien.Frühe europäische Kartenspiele, als der Druck vom Holzstock das wichtigste Mittel zur Vervielfältigung von Bildern war.
KupferstichFeine Linien und Kreuzschraffur, gut sichtbarer Plattenrand als Prägung im Papier.Die Blütezeit des Handstichs, als Kartenspiele eleganter und detailreicher wurden.
LithografieWeiche Tonübergänge, körnige Struktur statt Schraffur, gleichmäßige Farbflächen.Die Zeit, in der der Steindruck mehrfarbige Kartenspiele erschwinglicher machte.
OffsetUnter der Lupe ein regelmäßiges Raster feiner Punkte; kräftige Farben, gleich über die ganze Auflage.Industrieller Druck der jüngsten Zeit.
  • Geschichte

    Der Weg der Spielkarte vom China der Tang-Zeit zu den europäischen Farben und zum „Atlas“-Blatt von 1862.

  • Menschen

    Zeichner, Formschneider, Drucker, Kartenmacher, Sammler und Kustos – wer hinter jedem Kartenspiel steht.

  • Sammlungen

    Drei Lesewege: Hofkarten und Könige, Rückseiten und Muster, kleine Kartenspiele und Patiencen.

  • Termine

    Ausstellungen zur Druckgrafik, Sammlerbörsen, Museumsvorträge und Druckwerkstätten – und wie man eine Ankündigung prüft.

  • Beiträge

    Sechs Themen des Magazins – von den ersten Kartensätzen bis zur Aufbewahrung alter Karten – und der Katalog der deutschen Ausgabe.

Quellen

  • Museumskataloge und Veröffentlichungen zur Druckgrafik
  • Nachschlagewerke zur Geschichte der Buchgrafik

Daten und Angaben zur Geschichte der Spielkarte stammen aus frei zugänglichen Nachschlagewerken und Museumsquellen; wo Historiker uneins sind, weisen wir möglichst darauf hin. Zeiten, Orte und Besuchsbedingungen von Ausstellungen und Vorträgen erfragen Sie bitte bei den Veranstaltern.